capsarius und miles medicus Principales und Immunes

Capsarius und Miles medicus in der Römischen Armee der frühen und mittleren Kaiserzeit.

Zum Vergrössern auf das Bild klickenVom "Capsarius", d.h. dem Sanitäter während eines Feldzuges bzw. dem Krankenpfleger in Friedenszeiten wissen wir nur aus epigraphischen Quellen.
Der Name bedeutet im Grunde nur "Kapselträger", was möglicherweise besagt, daß der Capsarius zumindest zu gewissen Zeiten, vielleicht auch nur zu gewissen Gelegenheiten, eine Kapsel trägt, die naheliegenderweise Utensilien für die Anwendung am kranken oder verletzten Menschen beinhaltet haben wird.
Vorstellbar wäre eine solche "Kapsel" eigentlich nur im Kriegsfall bzw. ganz generell beim Einsatz außerhalb eines Valetudinariums bzw. einer provisorischen Einrichtung mit dem gleichen Zweck ( etwa in einem Zeltlager ), da ansonsten alle notwendigen Verbandsmittel bzw. Instrumentarien jederzeit vor Ort greifbar waren.
Fest steht nur, daß die Abbildung einer "Capsa" nicht existiert, somit niemand weiß, wie dieser Behälter ausgesehen haben könnte. Vom rein theoretischen Ansatz her müßte die Kapsel eben so groß gewesen sein, daß eine ausreichende Menge von Erste-Hilfe-Gegenständen darin Platz findet (Leinenbinden bzw. -tücher, Knebel für die Anlage eines Druckverbandes, evtl. diverse Materialien für eine frühe Wundbehandlung), andererseits aber keine Behinderung des Trägers im Rahmen seiner sowohl militärischen als auch krankenpflegerischen Aktivitäten erfolgt, insofern als davon ausgegangen werden muß, daß der Capsarius, genauso wie der Sanitäter der neuzeitlichen Armeen, an vorderster Front zum Einsatz kam.

Zum Vergrössern auf das Bild klicken Dies ist jedoch zugegebenermaßen spekulativ, da ohne weiteres auch die Möglichkeit gegeben war, daß der Verletzte zunächst einmal durch die eigenen Kameraden zum Verbandsplatz gebracht wurde, wie dies auf der Trajanssäule dargestellt zu sein scheint. Bedauerlicherweise trägt von den beteiligten Soldaten eben keiner eine wie auch immer geartete Kapsel, wobei nicht unbedingt davon ausgegangen werden muß, daß die beteiligten Helfer ihr Hauptausrüstungsstück schlichtweg vergessen, verlegt, oder bereits im Kampf verloren hatten.


Zum Vergrössern auf das Bild klicken Die Abbildung stellt einen Lösungsansatz des Verfassers für das Problem des Erscheinungsbildes einer "Capsa" dar. Es muß betont werden, daß Form und Größe der Schachtel rein hypothetisch sind, allerdings bereitet das Tragen derselben, wovon sich der Verfasser überzeugen konnte, auch im engen Verband einer Marschordnung oder Angriffslinie kein Problem dar.
Belegt sind Capsarii bislang nur für Legionen u. Auxiliareinheiten ( J.C. Wilmanns, Der Sanitätsdienst im Römischen Reich, 1995 ). Offenbar verfügten sowohl die Flotten als auch die Truppen in Rom nicht über einen solchen Dienstgrad, wobei nicht klar ist ob es sich hier um ein rein terminologisches Problem handelt, d.h. der Sanitäter einfach einen anderen Titel hatte, oder aber etwa eine andere Charge, etwa der "miles medicus", dessen Funktion erfüllte.

Die Ausbildung zum Capsarius in der Truppe begann bei den "discentes capsariorum", d.h. den Sanitätslehrlingen. Über Dauer und Inhalt der Ausbildung ist uns nichts bekannt, ebensowenig über die konkreten Aufstiegsmöglichkeiten des ausgebildeten Capsarius zum Medicus. Aus epigraphischen Zeugnissen wissen wir immerhin, daß es sich bei den Capsarii um Soldaten ( "milites" ) und als solche wahrscheinlich generell um "immunes" gehandelt hat, d.h. um Soldaten, die von allen Funktionen, die nichts mit ihrer Hauptaufgabe gemein hatten, entbunden waren.

Hinsichtlich der Besoldung der Capsarii erscheint es insofern naheliegend zu vermuten, daß sie auch finanziell den milites der kämpfenden Truppe gleichgestellt waren, da die epigraphische Überlieferung keinen Hinweis für eine andere Deutung liefert.

Daß mit großer Wahrscheinlichkeit eine Aufstiegsmöglichkeit von der Funktion des "Capsarius" zu derselben des "medicus" bestand, erscheint - wie dies J.C. Willmanns vermutet - in der Tat naheliegend, da es der esoterischen Ausbildungstradition der Antike entsprach, die keine übergeordnete Organisation der ärztlichen oder irgendeiner anderen Ausbildung kannte, sondern ausschließlich eine Wissensweitergabe vom Lehrer auf die Schüler seines unmittelbaren Umfeldes.

Ob sich sodann für den zum "miles medicus" aufgestiegenen Capsarius allerdings auch ein finanzieller Vorteil ergab ist keineswegs sicher. Es besteht jedoch die Möglichkeit, daß trotz der fehlenden Nomenclatur für die medizinischen Dienstränge in diesem Bereich dennoch Spielräume für Gehaltsunterschiede bestanden, etwa dergestalt, daß ein medicus als "principalis" eingestuft und somit einen anderthalb- oder sogar zweifachen Sold bezog (Sesquiplicarius/Duplicarius). Sicher nachgewiesen ist die Position eines "medicus duplicarius" für die prätorischen Flotten; eine Übertragung auf andere Einheiten ist damit zwar sicher nicht generell erlaubt, andererseits aber durchaus naheliegend.

 



Autor: Dr.med.Manfred Klimpel
Abbildungen:Achim Schröder bzw. vom Verfasser selbst


[zurück]