Verwaltungsaufgaben der Legionen Beneficiarier

Neben den tatsächlich vergleichsweise selten an sie gestellten militärischen Aufgaben wurden den Römischen Legionen vielfältige andere Qualitäten abverlangt. So stellte eine Legion unter anderem den Verwaltungs-Apparat für die Region, in der sie stationiert war. Von einer Militärverwaltung in den Römischen Provinzen zu sprechen, wäre dennoch verfehlt. Tatsächlich gab es seit 27 v. Chr. zwei grundsätzliche Typen von Provinzen, deren Verwaltung jeweils von ganz unterschiedlichen Organen getragen wurde. Einige Provinzen waren dem Senat unterstellt und verfügten über rein zivile Verwaltungs-Strukturen (senatorische Provinzen), während andere direkt dem Kaiser unterstanden (kaiserliche Provinzen) und von den Legionen verwaltet wurden. Die Legionen waren ausschließlich in kaiserlichen Provinzen stationiert. Tatsächlich sind die Römer die Erfinder unserer modernen, so oft beschimpften Verwaltungs-Prinzipien, und so war eine Legion eine Art gepanzerter Verwaltungs-Apparat (der allerdings militärisch nicht zu unterschätzen war). So konnte schon der erste Kaiser, Augustus, "seine" Provinzen (die kaiserlichen) von den truppeneigenen Stabsleuten verwalten lassen und auf diese Weise sehr viel Geld einsparen, indem er auf die Einrichtung gesonderter ziviler Apparate verzichtete. Was zunächst also wie eine Militärverwaltung erscheinen mag, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als pure Sparmaßnahme.

Eine ganz zentrale Rolle in der Verwaltung durch die Legionen spielten die beneficiarii. Gar zu oft ist in der modernen Literatur zu lesen, die Beneficiarier seien "Straßenpolizisten" gewesen, jedoch ist dieser Vergleich völlig falsch. Was sie mit Straßen zu tun hatten, dazu soll gleich noch etwas gesagt werden. Grundsätzlich bleibt zunächst festzuhalten, daß die Beneficiarier Stabs-Unteroffiziere im Verwaltungsdienst waren, so daß ihnen die Verwaltung aller Teilbereiche zufiel. Für das Militär sind dies Dinge wie Nachschub, Nachrichtenwesen und militärische Logistik. Im Bereich der Zivil-Verwaltung kamen noch verschiedene andere Posten hinzu, so etwa die Marktaufsicht, Besteuerung und andere Dinge, die noch heute zahllosen Beamten das Auskommen sichern. Die militärischen Einzelbereiche wurden von den Officien (officium = Büro) der Tribuni Angusticlavii betreut. Diese jungen adeligen Offiziere leisteten meist nur ein Jahr lang Dienst im Stab einer Legion, weil ohne Nachweis einer militärischen Dienstzeit der Einstieg in eine politische Karriere schwer geworden wäre. Durch die sehr kurze Dienstzeit aber konnten sich die Tribunen kaum wirklich in die Verwaltung einarbeiten, so daß sie mehr oder weniger nur nominell die Amtsgeschäfte führten. Eingearbeitet und versiert hingegen waren die lang dienenden Beneficiare. Als beneficiarii tribuni angusticlavii hatten sie den niedrigsten Rang unter den Beneficiariern, denn die Hierarchie war nach den Officien gestaffelt, in denen die Unteroffiziere Dienst taten. So stand ein beneficiarius tribuni laticlavii (im Officium des Stellvertreters des Legionskommandanten) oder gar ~ legati (im Officium des Legionskommandanten) höher als die Angehörigen der niederen Ämter. Der höchste Rang unter den Beneficiaren war der des beneficiarius legati Augusti pro praetore, der am Sitz des Statthalters arbeitete. Dieser hatte eine Rangstufe erreicht, die etwa mit der eines Optios der kämpfenden Truppe vergleichbar wäre, während die beneficiarii tribuni angusticlavii lediglich auf der Höhe der Tesserarier rangierten.

Zum Vergroessern bitte anklicken! Nun, wie versprochen, noch ein Wort zu den "Straßenpolizisten". Dieses skurrile Mißverständnis rührt daher, daß Beneficiarier archäologisch vor allem an Straßenstationen greifbar sind, wo sie Weihesteine errichten ließen. Diese Straßenposten (positae, stationes) lagen an den Fernstraßen des Reiches und dienten vor allem als Stationen für den cursus publicus (=staatl. Botendienst, oft fälschlich "Staatspost" genannt). Außerdem wurden von hier aus einzelne Straßenabschnitte verwaltet. Wenn also ein Schaden in der Strecke gemeldet wurde, ein sturer Fuhrknecht die Straße mit seinem Gespann versperrte oder ein Baum auf die Fahrbahn gestürzt war, dann war der diensthabende Beneficiarier dafür verantwortlich, die Lage bereinigen zu lassen. Was als "Straßenpolizist" bezeichnet wird, ist also vielmehr ein Straßenmeister, Tiefbaumanager und Postbeamter. Im übrigen gab es auf Römischen Fernstraßen keine Geschwindigkeits-Begrenzungen und keine Ladevorschriften, so daß ein Straßenpolizist tatsächlich wenig Arbeit gehabt hätte. Auf den Straßenposten hatten die Beneficiare auch so wenig genug zu tun, und der Dienst muß sterbenslangweilig gewesen sein. Anders ist kaum zu erklären, warum so zahlreich Weihesteine erhalten sind, die aus Dank für das glückliche Ende des Straßendienstes gestiftet wurden.



Text: Achim Schröder


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Letzte Änderung 10. 1. 2006