Römische Sonnenuhren Forum

Bereits weit in prähistorischer Zeit wurde der Lauf der Gestirne/Sonne beobachtet und markante Zeitpunkte im Jahreslauf bestimmt, wie z.B. die Sonnenwenden in Stonehenge. Auch die Ägypter, Babylonier und Griechen waren Meister der Zeitrechnung. Außer wenigen praktischen Hinweisen für den Normalbürger wie: Zeit für die Aussaat oder Termin der Nilflut, war dies jedoch eine Angelegenheit der Priesterklasse. Erst mit dem Entstehen einer komplexen Gesellschaftstruktur in den römischen Städten wurde es notwendig, deren zeitlichen Ablauf zu koordinieren. Die zur Anzeige der Tageszeit verwendeten Sonnenuhren wurden für den allgemeinen Gebrauch von den Griechen und danach von den Römern eingeführt. So wurden allein in Pompeii ca. 40 private Sonnenuhren gefunden.

Tageszeit Der Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang und endet mit dem Sonnenuntergang; Mittag ist dann, wenn die Sonne genau im Süden steht (Höchststand) Bis zur Einführung der Sonnenuhr wurde in Rom der Tag nur in 4 Abschnitte eingeteilt : mane morgens ab Sonnenaufgang ad meridiem vor Mittag de meridie nach Mittag suprema letztes (Viertel) bis Sonnenuntergang

mane morgens ab Sonnenaufgang
ad meridiem vor Mittag  
de meridie nach Mittag  
suprema letztes (Viertel) bis Sonnenuntergang

 

Erst im 2.Jh.v.Chr. wurde dann dieser Zeitraum in 12 Teile geteilt, damit wurde Tag und Nacht jeweils 12 (Temporal-) Stunden lang. Nur zur Tag- und Nachtgleiche - am 21.März und 21.Sept - sind Tag und Nachtstunden gleich lang. Im Laufe des Jahres schwankt die Länge einer solchen Tag-Stunde beträchtlich, so zwischen heutigen ca. 40min im Winter (21.Dez =Wintersonnenwende) und ca. 80min im Sommer (21.Juni = Sommer-sonnenwende). Die uns heute geläufige Aufteilung des Tages in gleichlange (Äquinoktial-) Stunden war zwar auch bekannt, aber für den damaligen Normalbürger ohne Bedeutung. Da der Schatteneinfall von der geographischer Breite abhängt, ( Norafrika 30°N England 60°N) musste die Konstruktion der Sonnenuhr sich nach dem Aufstellungsort richten. So wurde z.B. eine um 260 vC. auf dem Forum in Rom aufgestellte Sonnenuhr aus Catania/Sizilien (38° geographische Breite) 100 Jahre später durch eine auf Rom (42°) abgestimmte und damit genauergehende Uhr ersetzt.

 

Verschiedenartige Ausführungen wurden entwickelt wie Horizontalsonnenuhren, halbkugelförmige oder zylindrische. Daneben gab es auch kleine mobile Reisesonnenuhren wie die aus Mainz oder Oxford.

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Reisesonnenuhr aus Mainz   Reisesonnenuhr aus Oxford

 

Die erzielbare Genauigkeit der Anzeige liegt bedingt durch Größe und und je nach Qualität der technischen Ausführung so im 10 bis 30 min Bereich. Dies war für die damaligen Verhältnisse aber völlig ausreichend, da für Termine/Verabredungen sowieso nur volle Stunden angegeben wurden. Man traf sich halt zur 4.Stunde im Bade (also irgendwann pünktlich! zwischen 9 und 10 Uhr) .

Zum Vergroessern bitte anklicken!   Nachbau der Horizontal-Sonnenuhr aus Wiesbaden

Kalender

Prinzipiell sind die Jahreszeiten aus der Schattenlänge des Stabes ermittelbar. Im Winter steht ja die Sonne viel tiefer -langer Schatten- als im Sommer : kurzer Schatten. Diese Differenz muß dann für einen Kalender in Monate bzw. Tage aufgeteilt werden. Durch die kleinen Abmessungen der üblichen Sonnenuhren ist dies aber nur ganz grob möglich, da die tägliche Veränderung der Schattenlänge dafür viel zu klein ist. Deshalb sind meistens auch nur 3 Linien für die Sommer- und Wintersonnenwende sowie für die Tag- und Nachtgleiche eingezeichnet. Für die Anzeige des Datums ist eine deutlich größere Anordnung mit längerem Schattenwurf notwendig. Dazu ist ein Meridian - also eine Nord-Süd Markierung auf dem Boden ausreichend. Die Sonne wirft dann im Mittag auf diese Linie ihren Schatten.

Zum Vergroessern bitte anklicken! Der bedeutendste römische Meridian wurde von Augustus 9 v. Chr. auf dem Marsfeld eingeweiht. Als Schattenwerfer/Gnomon diente ein ägyptischer Obelisk aus Heliopolis mit ca. 30m Höhe und vergoldeter Kugel an der Spitze. Die Länge des Schattens am Boden schwankte von 10m im Sommer bis 70m im Winter. Auf dieser 60m langen Strecke waren dann die Tierkreiszeichen - nicht unsere heutigen Monate - und die einzelnen Tage aufgetragen.

Der Obelisk wurde 1792 versetzt und steht heute auf der Piazza Montecitorio; 1980 wurden Teile der Meridianlinie in 6m Tiefe gefunden. Anmerkung Unsere heutigen Sternzeichen beruhen auf dem Tierkreis wie er vor ca. 2000 Jahren war. So ist ein zwischen 21. März und 20. April Geborener ein "Widder", weil damals die Sonne im Sternbild Widder stand. Im Laufe von 26000 Jahren (Ptolemäisches Jahr) durchwandert die Sonne jedoch einmal rückwärts den kompletten Tierkreis, in den vergangenen 2000 Jahren also etwa ein Sternzeichen. Wenn in unserer Zeit also jemand zwischen dem 21. März und 20. April geboren wird, ist er eigendlich ein "Fisch", weil die Sonne in diesem Zeitraum im Fisch steht. Der in römischer Zeit aus Persien importierte und sicher damals schon alte Mithraskult ist sehr astronomisch ausgerichtet. Darauf weisen z.B. die vielen Sternzeichen auf den gefundenen Mithraskultbilder hin. Die Tötung des Stieres könnte dann mit dem Eintritt der Sonne in das Sternbild Stier (Frühlingspunkt 21. März) zusammenhängen, was auf ein entstehen des Kultes auf etwa 2000 v.Chr. hindeuten würde.

Zum Vergroessern bitte anklicken! Vorlage zum Nachbau einer römischen Horizontal-Sonnenuhr (Angaben in mm)

Literatur Karlheinz Schaldach :
Römische Sonnenuhren ISBN 3-8171-1649-7 mit vielen weiteren Literaturquellen.

 


Autor: Peter Krensel

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