Biographie  
Gaius Marius *156 .Chr

Gaius Marius wurde 156v.Chr. als Sohn eines Bauern in Cereatae geboren, einem kleinen Nest bei Arpinum (heute Arpino, Provincia di Caserta) in der nördlichen Campania. Gelegentlich wird behauptet, das Fehlen eines Beinamens zeige seine einfache Herkunft, jedoch waren die tria nomina (Vor-, Familien- und Beiname) des Römischen Bürgers in seiner Zeit noch nicht kanonisch.

Und außerdem war Marius im Grunde kein Römer: Tatsächlich entstammte er dem alten volskischen Landadel - Adel bei den Volskern bedeutet allerdings noch lange keinen Adel in Rom. Durch seine Ehe mit Iulia, der Schwester des Vaters von Gaius Iulius Caesar, war Marius der Onkel des Großen Iuliers. Sein Leben wurde durchgehend und nachhaltig vom Militär geprägt. 134v.Chr. erwarb er sich vor Numantia (Spanien) ersten militärischen Ruhm, was seine politische Karriere stark erleichterte.

Das Römische Volk war die Jahrhunderte lange Mißwirtschaft der Optimaten (Politiker des Hochadels) gründlich satt, was die Wahl des Popularen (Politiker des Plebejerstandes) Marius zum Consul des Jahres 107v.Chr. zur Folge hatte. Inzwischen standen nämlich auch Angehörigen des niederen Standes die höchsten Staatsämter offen. Da nicht nur im Inneren starke Querelen den Staat zu zerreißen drohten, sondern auch äußere Feinde gefährlich wurden, betraute man Marius in seinem ersten Consulat, auf Betreiben des Volkes, mit dem militärischen Oberbefehl gegen den Numiderkönig Iugurtha (Nordafrika). Marius beendete den Krieg siegreich; gleichzeitig erwarb sich auch sein späterer Todfeind Lucius Cornelius Sulla gegen Iugurtha ersten Ruhm.

Kaum war der Krieg in Africa beendet, Erschien eine neue Bedrohung in Gestalt der Teutonen und Cimbern. Diese ursprünglich in Jütland ansässigen Germanen-Stämme wurden, vermutlich durch Sturmfluten, aus ihrem Siedlungsland verdrängt und zogen südwärts, um neues Land zu erlangen. Da Gallien bereits komplett besiedelt war, ging das natürlich nicht ohne Gewalt; Rom aber konnte die Bedrohung durch die aggressiven Siedler nicht tolerieren und sandte 106v.Chr. ein Heer aus, das den Zug der Germanen stoppen sollte. Der untergeordnete Befehlshaber Gnaeus Servilius Caepio ging weder glückreich noch klug vor, und so ging sein Heer 105v.Chr. in einer katastrophalen Niederlage unter. Das Schlagwort furor teutonicus (= die Angst vor den Teutonen; im 19. Jh. dann als "Deutschenterror" mißbrauchter Begriff) war geboren. Unter dem Schock dieser Katastrophe wurde der bewährte Kriegsmann Marius erneut zum Consul gewählt (104v.Chr.). Das eine Jahr, das ein Consulat dauerte, reichte jedoch nicht aus, die Abwehr gegen die Germanen zu organisieren und einen Schlag durchzuführen, der die Gefahr beseitigen konnte. Gegen wichtigste Grundsätze der Römischen Verfassung wurde Marius deshalb auch in den folgenden Jahren (103-100v.Chr.) zum Consulat zugelassen, damit er die Bedrohung vom Staat abwenden konnte. In dieser Zeit führte er die Heeresreform durch. Dieser grundlegenden Reform des gesamten Römischen Heerwesens verdankt Rom seine Rettung: Marius besiegte mit dem neuen Heer 102v.Chr. die Teutonen bei Aquae Sextiae (Aix-en-provence, nördl. von Marseille, Frankreich) und 101v.Chr. die Cimbern bei Vercellae (Vercelli, zw. Turin und Mailand, Italien).

Nachdem die große Gefahr von außen beseitigt war, zeigte sich schmerzlich, daß ein guter Feldherr nicht auch ein guter Politiker sein muß. Marius verdarb es sich mit beiden politischen Parteien, mit der Aristokratie und dem Volke gleichermaßen. Im Bundesgenossenkrieg (89v.Chr.), in dem die Völker des Latinischen Bundes ihre Gleichberechtigung mit Rom erstritten, verlor Marius an Macht und Ansehen, während sein Rivale Sulla im gleichen Maße gewann. Sulla erlangte schließlich das Consulat des Jahres 88v.Chr. und schickte sich an, gegen Mithridates VI. Eupator von Pontos zu ziehen, jedoch verhinderte der eifersüchtige Marius das und ließ sich selbst den Oberbefehl übertragen. Sulla seinerseits weigerte sich, das Kommando abzugeben, marschierte in Rom ein und ächtete Marius, der nach Africa fliehen konnte. Er kehrte jedoch, kaum daß Sulla nach Osten aufgebrochen war, wieder nach Rom zurück, wo der Consul Lucius Cornelius Cinna vehement und gewaltsam für ihn eingetreten war. Marius nahm grausame Rache an Sullas Parteigängern. Im Jahr 86v.Chr. trat er sein siebentes Consulat an, das ihm dereinst prophezeit worden war.

Es war ein Glücksfall für Rom, daß er bereits am 13. Januar 86 starb und so seine Schreckensherrschaft nicht weiter fortführen konnte. Auch blieb Rom auf diese Weise ein längerer Bürgerkrieg zwischen Marius und Sulla erspart, nicht aber die Leiden der sullanischen Proscriptionen. Gaius Marius blieb den Römern als die tragische Gestalt des Retters des Staates, der zum Schrecken der Bürger mutierte, in Erinnerung.

Text: Achim Schröder
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